Gipfelwirren – Neues von der IEA zu Peak Oil

Bei der Pressekonferenz ihres jährlichen Berichts „World Energy Outlook“ gibt die Internationale Energie Agentur (IEA) unfreiwillig neue Hinweise auf die Stimmigkeit der Peak-Oil-These, d.h. eines zeitnahen Erreichens des Fördermaximums von Erdöl.

In Ihrem Bericht zeigt die IEA eine Graphik, die ein Förderplateau von konventionellem Öl für die Jahre 2003-2007 annimmt. Anschließend gibt es einen leichten Rückgang, der sich auf ein neues allerdings eben leicht niedriges Plateau stabilisiert, wenn a.) zügig ab jetzt genügend neue Felder entwickelt werden und b.) ab ca. 2014-2015 erhebliche noch gar nicht entdeckte Felder entwickelt werden.


Unter diesem Voraussetzungen ist sogar eine leichte Steigerung der Ölförderung denkbar, wenn man nicht-konventionelle Ölvorkommen zusätzlich ausbeutet, d.h. Natural Gas Liquids (auch NGL abgekürzt, d.h. Erdgaskondensate, die aus Propan, Butan, Pentan, Hexan und Heptan bestehen können, allerdings nicht Methan und Äthan, die beide Kühlung brauchen um verflüssig zu werden) und die besonders umweltzerstörerische Ölsande.

Dieses Szenario bzeichnet die IEA als „New Policy Scenario“, welches als das wahrscheinlichste von dreien gilt.

Signifikant an der Darstellung ist der dramatische Abfall der Förderung aus bereits produzierenden Felder. Seit die IEA vor zwei Jahren überraschend eingestand, dass die Ära von hochqualitativem, billigen Öl nicht unendlich sein wird, wird die Leistungsfähigkeit der existierenden Felder kontinuierlich nach unten korrigiert.

Mit optimistischen Annahmen rettet sich die IEA vor einer Bestätigung des Eintritts von Peak Oil vor dem Jahr 2035. Der angenommene signifikante Ausbau der Förderungen von „unconvetional oil“ wird von Peak-Oil-Theoretikern allerdings als unplausibel eingestuft. Das gleiche gilt für eine derartige Zunahme von Neuentdeckungen konventioneller Ölfelder. Denn es gibt eine historische rapide sinkende Rate der Neuentdeckungen. Der weltweite Höhepunkt von Ölfeldentdeckungen war bereits 1964.

Möglich ist allerdings die Gewinnung von zusätzlichen „grünen“ Flüssigkraftstoffen. Inzwischen ist jedoch überdeutlich, dass die meisten dieser Kraftstoffe mit noch höherem C02-Ausstoß einhergehen und wegen Landnutzungskonflikten etc. katastrophale soziale Folgen haben.

Für die Auseinandersetzung um eine solidarische Postwachstumsökonomie sollten diese Zahlen ein weiterer Ansporn sein. Allein deshalb weil Kriegsminister Guttenbergs Bemühen in den vergangenen Tagen, den grundgesetzwidrigen Einsatz des Militärs „zum Schutz deutscher Wirtschaftsinteressen“, von Handelswegen und des Zugangs zu Rohstoffen zu normalisieren, auf weniger Widerspruch stößt als notwendig.



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