Das nukleare Roulette stoppen – Raus aus dem Wachstumswahn!

Die katastrophalen Ereignisse in Japan erfüllen uns mit Trauer und Wut. Trauer auch über die vielen Menschen, die nicht an einer Naturkatastrophe, sondern an den Folgen dessen sterben, was Teil des Normalbetriebs des fossilistischen und atomaren Wachstumswahns ist. Und Wut über eine Politik, die die Risiken dieses Normalbetriebs verharmlost und bis auf kosmetische Korrekturen so weitermacht will wie bisher.

Die Havarie im Kernkraftwerk Fukushima ist weit mehr als der vielleicht größte Atomunfall. Sie ist eine Zivilisationskrise. Eine Krise der Gesellschaften, die auf unkontrollierbare Großtechnologien und destruktive Energieformen angewiesen sind, um kontinuierliches Wirtschaftswachstum zu befeuern. Denn der mit dem Wachstum des zerstörerischen Wohlstands zunehmende Bedarf an Energie kann nur gedeckt werden durch Techniken, die – wie Atomkraft oder aber auch fossile Kraftwerke – den Tod von Tausenden von Menschen in Kauf nehmen.
Fukushima macht deutlich, dass das atomare Roulette sofort gestoppt werden muss – denn wo der nächste GAU geschieht kann niemand vorhersagen. Doch was wären die Konsequenzen daraus? Zunächst einmal wird der Ausstieg aus der Atomkraft die strukturell ansteigenden Energiepreise noch weiter in die Höhe treiben. Öl und Gas sind begrenzt, das weltweite Fördermaximum an Öl ist wahrscheinlich bereits überschritten. Schon heute sind wir in der Phase hochriskanten Öls: Die Menge leicht verfügbaren Öls wird weiter abnehmen, andere Quellen sind nur über Fördermethoden erschließbar, die zunehmend das Risiko der Zerstörung ganzer Ökosysteme in Kauf nehmen. Wie die Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko, deren verheerende Folgen nach der Katastrophe der Deepwater Horizon im medialen Wirbel schon fast untergegangen sind.

Das Roulette destruktiver Energie stoppen bedeutet auch den Abschied vom fossilen Zeitalter: Raus aus Öl, Kohle und Gas, und zwar so schnell wie möglich. Denn die Folgen des Klimwandels sind menschlich, sozial und ökonomisch mindestens so fatal wie die Wirkungen von Fukushima. Das heißt, die durch den Atomausstieg entstehende Lücke darf nicht durch fossile Energie geschlossen werden. Vielmehr sollte die Klimagerechtigkeitsbewegung dafür kämpfen, dass sich diese Lücke durch ein mittelfristiges Auslaufen von Kohlekraftwerken noch vergrößert. Nur so kann verhindert werden, sich dem vermeintlichen Sachzwang zu ergeben, nur zwischen einer atomaren oder klimatischen Zerstörung des Planeten wählen zu können.

Ein rascher Umstieg auf erneuerbare Energien und deren möglichst effiziente Nutzung sind nun dringend geboten. Die großen monopolistischen Energiekonzerne gilt es zu zerlegen und zu vergesellschaften, um eine dezentrales regeneratives System der Energiedemokratie von unten zu ermöglichen. Und Effizienzsteigerungen können den Energiebedarf senken. Doch wir dürfen uns nichts vormachen: Das jetzige Niveau des Stromverbrauchs wird auf diese Weise nicht aufrecht erhalten werden können. Erneuerbare Energien sind nicht unerschöpflich. Sie haben ein begrenztes Potenzial, und ihre Nutzbarmachung erfordert zunächst selbst einen erheblichen Einsatz von Energie. Die Entkopplungspotentiale sind nicht groß genug, um in den kommenden Jahren den fossilen Ressourcenverbrauch drastisch zu senken, während gleichzeitig die Ökonomie weiter expandiert.

Wirtschaftswachstum und Wachstumspolitik haben die Grenzen fossiler und atomarer Energie erreicht, sowohl bezüglich der verfügbaren Ressourcen, des Outputs wie CO2 und Atommüll, aber besonders der damit einhergehenden planetarischen Risiken. Es ist Zeit umzudenken – die Zukunft einer Wirtschaft ohne Wachstum stellt sich als drängende Jahrhundertaufgabe. Aber auch kurzfristig wird es nicht möglich sein, allein die durch einen sofortigen Atomausstieg enstehenden Energielücken zu schließen. Es ist daher jetzt an der Zeit, erste Schritte zu gehen um den Wachstumswahn zu überwinden und gesellschaftlich zu diskutieren, in welchen Bereichen Energieverbrauch reduziert werden kann. Wie kann eine Ökonomie und Gesellschaft organisiert werden, die bis zu einem ökologisch verträglichen Maß kontinuierlich weniger Energie verbraucht?

Der Kongress Jenseits des Wachstums!? Ökologische Gerechtigkeit. Soziale Rechte. Gutes Leben, den Attac in Kooperation mit der Friedrich-Ebert, der Heinrich-Böll, der Rosa-Luxemburg und der Otto-Brenner-Stiftung ausrichtet, kommt zum richtigen Zeitpunkt. Der Preis weiteren Wachstums ist zu hoch – diskutieren wir über Alternativen! Vom 20. – 22. Mai 2011 in der TU in Berlin, mit über 100 ReferentInnen und über 70 Veranstaltungen. Mehr Infos: http://www.jenseits-des-wachstums.de

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