Wachstumsenquete ohne Fachfrauen? Appell unterzeichnen!

Dass öffentliche Gremien nur selten geschlechtergerecht besetzt sind, ist leider immer noch die Normalität. Dass jedoch die Experten einer Bundestags-Enquete, eingesetzt um zentrale Zukunftsfragen – Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität – zu diskutieren, zu 100 Prozent aus Männern besteht, ist ein doppelter Skandal. Nicht nur werden so fundamental wichtige Perspektiven ausgeklammert – sondern feministische Ökonominnen haben viele der Grundlagen gelegt, auf denen die heute so hochgehaltene Kritik am BIP beruht (für eine kritische Einschätzung der Kritik am BIP gibts hier). Weiterlesen

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Degrowth, Energiearmut und die Autonomie sozialer Bewegungen in Bolivien

Wie teuer sollte Energie sein? Und: Wie teuer soll Energie auf dem Weg zu einer (solidarischen) Postwachstumsökonomie werden? Im Zuge der Transformation des Weltenergiesystems ist dies eine der zentralen Konflikte. Unter denjenigen mit einer ökologischen Perspektive – durchaus unabhängig von der Wachstumsfrage – stoßen zwei Positionen aufeinander. Die (öko-)liberale Perspektive fordert die Streichung von Subventionen und die Erhöhung der Energiekosten, um die „wahren“ Kosten von Energie abzubilden. Mit Hilfe des Preises sollen so genannte „externe Effekte“, in diesem Fall Umweltschäden wie durch die Treibhauswirksamkeit von C02-Emissionen verursacht, in die Preiskalkulation einfließen. Die Gegenposition sieht das soziale Recht auf Energie für alle im Vordergrund und betont die Verfügbarkeit günstiger Energie für arme Bevölkerungsgruppen. Außerdem wird negiert, dass mittels des Preismechanismus der notwendige strukturelle Umbau angegangen werden kann. Denn statt die existierenden Konsummuster zu verändern, komme es lediglich zu einer Verschiebung durch soziale Spaltung.

In den letzten Jahren nimmt die Intensität von sozialen Kämpfen gegen hohe Energiekosten zu. Sowohl in Europa (z.B. in GB), als auch insbesondere im Süden. Jüngstes Beispiel waren in den vergangenen Wochen die Proteste in Bolivien. Besonders ist die bolivianische Konstellation, weil sich die dortigen sozialen Bewegungen sowohl gegen hohe Preise von Grundgütern wie Energie wenden, als auch sich dem neo-extraktivistischen Entwicklungs-/(Wachstums)modell widersetzen. Weiterlesen

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No cuts, no growth! Gewerkschaften und Wachstumskritik

Die Debatte zwischen keynesianischen, gewerkschaftlichen, wachstumsortientierten vs. wachstumskritischen, auf globale ökologische Gerechtigkeit abzielenden Transformationsprojekten ist zentral. Das Neue Deutschland beschreibt diese in einem Artikel unter Bezug auf den Apell von europäischen Decroissance-Gruppen an Gewerkschaften zum Aktionstag im Herbst 2010, der hier übersetzt wurde. Wichtig ist, bei dieser Diskussion nicht bei der Beschreibung des „tiefen Grabens“ stehen zu bleiben, sondern konstruktive und offene Debatten zu führen. Der Kongress Jenseits des Wachstums?!, den Attac mit Kooperationspartnern vom 20. bis 22. Mai in Berlin veranstaltet, hofft dazu einen Beitrag zu leisten. Weiterlesen

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Kritik an Loskes Wachstumskritik

In der heutigen taz (Bremen) trauert Benno Schirrmeister über die intellektuelle Entwicklung eines programmatischen Kopfes der Grünen und verreist dessen jüngstes Büchlein „Abschied vom Wachstumszwang“ – Reinhard Loske. Relevant ist Loskes Beitrag insbesondere im Kontext der bald beginnenden Enquete-Kommission des Bundestages „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“, die wesentlich auf betreiben seiner Partei installiert wurde. Allerdings lässt Schirrmeisters Rezenssion nicht viel Gutes ahnen, was den Diskussionsstand in der Partei im Vorfeld der Enquete angeht. Das „Bemühen nicht anzuecken“ charakterisiert für den taz-Journalisten das Bestreben Loskes.
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It’s political-economy, stupid! – John Bellamy Foster kritisiert Latouche

In einem Beitrag für Red Pepper kritisiert der Ökosozialist Foster den oft philosophisch-kulturatistischen Ansatz von Latouche und fordert stringentere Kategorien der politischen Ökonomie ein. Ohne die Funktionsweise der Kapitalakkumulation ernst zu nehmen, hingen die Konzepte von Latouches „décroissance“ in der Luft.

Hier der Text von Foster.

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Wirksamer Klimaschutz bedeutet Wachstumskritik!

Von Kathrin Henneberger

Ambitionierte Klimaschutzpolitik muss den Wachstumszwang der Weltwirtschaft in Frage stellen. Dazu sind auf den UN- Klimaverhandlungen nur sehr wenige bereit.

Die Ergebnisse von Cancun

Die UN- Klimakonferenz in Cancun ist zu Ende. Die Länder feierten am letzten Tag euphorisch sich selbst und die Ergebnisse:

  • 193 Länder erkennen das Zwei Grad Ziel an. Bis 2015 soll geprüft werden ob das Ziel auf 1,5 Grad gesenkt werden soll.
  • Der Klimafond „Green Climate Fund“ soll von der Weltbank (trotz Protest von mehreren Entwicklungsländern) treuhänderisch verwaltet werden. Das Gremium dieses Fonds wird mit jeweils zwölf Vertretern der Industrie- und der Entwicklungsstaaten besetzt. Weiterlesen
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Gegen das Wachstum der Austerität

Anlässlich des Aktionstags des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) am 29. September gegen den Sozialkahlschlag in Europa veröffentlichten zahlreiche Décroissance-Gruppen aus  Belgien, Frankreich und Spanien einen Appell an die Gewerkschaften mit dem Wachstumswahn zu brechen. Das Motto der Brüssler Gewerkschaftsbürokartie lautete zunächst „No cuts, more growth“. Nach interner Kritik wurde es immerhin zu „No to austerity – Priority for jobs and growth!“ (Nein zu Sparmaßnahmen. Vorrang für Beschäftigung und Wachstum) erweitert.
Angesichts der dramatischen Kürzungspolitik, die bei dem parallel stattfindenden Treffen des ECOFIN auf der Tagesordung stand, war dieser Aktionstag mit einer Großdemo in Brüssel und einem Generalstreik in Spanien bitter nötig und zumindest punktuell ein Mobilisierungserfolg. Allerdings ging er medial völlig unter, war nicht in eine langfristige Strategie des EGB eingebettet und blieb somit Symbolpolitik.

Mit ihrem Appell „Gegen das Wachstum der Austerität“ positionierten sich eine Vielzahl von Gruppen der Décroissance-Bewegung gegen die wirtschaftspolitische Ausrichtung des EGB, um sich gleichzeitig mit der sozial- und gesellschaftspolitischen Stoßrichtung zu solidarisieren und zu einem Dialog einzuladen (hier der Appell in fr. & dt.):

Sich dem Wachstum der Austerität widersetzen

Appell an die Gewerkschaften

Anlässlich der Euro-Demonstration am 29. September 2010 wendet sich eine europäische Allianz verschiedener Organisationen von WachstumsverweigererInnen (objecteurs de croissance) an die Gewerkschaften. Die WachstumsverweigererInnen fordern die Gewerkschaften auf, einen anti-produktivistichen Bruch zu vollziehen, da sie sonst weiterhin die destruktive Logik der Ökonomie aktiv unterstützen. Die WachstumsverweigererInnen schlagen vor, „das gute Leben“ statt das „immer mehr“ anzustreben, die Arbeitszeit erheblich zu reduzieren, und sich für ein ausreichendes Mindesteinkommen für alle einzusetzen. Weiterlesen

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12 lines of flight for just degrowth

Now, our stirring paper for the debate of Attac Germany about degrowth is available in English – here.

1.) Our goal: Social rights – global and concrete

What is our goal in criticising growth, and why do we think it necessary in principle to sketch lines of flight for a degrowth economy at this juncture? Our goal is to establish social rights globally, such that a good life is possible for everybody. Our alternative of a just degrowth economy is not simply focused on an abstract „survival of humanity“ or „saving nature,“ as are many varieties of growth criticism. This kind of perspective is in danger of obscuring the concrete social rights of individuals and groups. Instead, it aims at meeting the demand for social justice and equality in the here and now, and in the future. Weiterlesen

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Steady state economics – „Genug ist Genug“

In England (Leeds) fand im Sommer die erste Steady State Economy Conference statt, organisiert durch das Center for the Advancement of the Steady State Economy (CASSE) und Economic Justice for All (EJfA) – jetzt ist die Studie zur Konferenz erschienen, die einen spannenden Einblick in die Diskussionen der Postwachstumsszene in England liefert. In dieser Studie Enough is Enough. Ideas for a Sustainable Economy in a World of Finite Resources skizzieren eine Reihe von Autoren die Probleme der Wachstumsökonomie, vor allem aber einige zentrale Aspekte einer stabilen – steady state – Ökonomie. Anders als in den Debatten bisher wird der steady-state nicht im Gegensatz zu Schrumpfungskonzepten – degrowth – verstanden, sondern es wird argumentiert, dass eine Reduktion der Größe der Ökonomien im globalen Norden – das Beispiel ist hier immer das UK – notwendig ist, dass jedoch bereits jetzt die Funktionsweise einer stabilen Ökonomie beschrieben werden soll, die nach dem degrowth kommt. Weiterlesen

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Gipfelwirren – Neues von der IEA zu Peak Oil

Bei der Pressekonferenz ihres jährlichen Berichts „World Energy Outlook“ gibt die Internationale Energie Agentur (IEA) unfreiwillig neue Hinweise auf die Stimmigkeit der Peak-Oil-These, d.h. eines zeitnahen Erreichens des Fördermaximums von Erdöl.

In Ihrem Bericht zeigt die IEA eine Graphik, die ein Förderplateau von konventionellem Öl für die Jahre 2003-2007 annimmt. Anschließend gibt es einen leichten Rückgang, der sich auf ein neues allerdings eben leicht niedriges Plateau stabilisiert, wenn a.) zügig ab jetzt genügend neue Felder entwickelt werden und b.) ab ca. 2014-2015 erhebliche noch gar nicht entdeckte Felder entwickelt werden.


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